Inhalte für internationale Websites erstellen

International agierende Unternehmen und Websites stehen vor der besonderen Herausforderung ihr Angebot auf verschiedene Zielmärkte und Sprachen auszurichten. Neben einer Reihe von technischen Anforderungen ist das Bereitstellen von einzigartigen Inhalten, abgestimmt auf die entsprechenden Zielmärkte, ein wichtiger Bestandteil der internationalen Suchmaschinenoptimierung. Was inhaltlich aus Nutzer- und SEO-Sicht berücksichtigt werden sollte, um auch international Top-Platzierungen in den Suchergebnissen zu erzielen, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Suchverhalten am Zielmarkt berücksichtigen

Nehmen wir an, es geht um die Website einer Urlaubsdestination in Deutschland. Bisher ist die Website nur in deutscher Sprache verfügbar. Um die Region jedoch auch unter potentiellen Urlaubern aus dem Ausland als Reiseziel bekannt zu machen, sollen in Zukunft auch Inhalte auf Englisch und Niederländisch zur Verfügung gestellt werden.

Die einfachste Möglichkeit wäre es, die bereits bestehenden Texte übersetzen zu lassen und somit auch die englische und niederländische Version der Website mit Inhalt zu füllen. Doch das reine Übersetzen von Webinhalten in andere Sprachen ist wenig erfolgsversprechend und eine gute Positionierung in den Suchmaschinen rückt somit oft in weite Ferne. Um Webinhalte auch in anderen Ländern erfolgreich in den Suchergebnissen zu positionieren, sollten vor Erstellung/Übersetzung des Contents folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • Zielgruppe: Wie verhält sich der User im neuen Zielmarkt? In wie fern unterscheidet sich das Verhalten der niederländischen User zu dem der Deutschen?
  • Themengebiete: Welche Themen interessieren meine Zielgruppe im neuen Zielmarkt? Interessieren sich die niederländischen Nutzer für die gleichen Themen? Wenn nicht, wofür interessieren sie sich dann?
  • Keywords: Welche Suchbegriffe nutzen die User im neuen Zielmarkt um die Informationen zu finden die meine Seite bereitstellt?
  • Zeitliches Interesse: Zu welchem Zeitpunkt beginnt das Interesse an einem Thema im neuen Zielmarkt zu steigen? Wann sollten meine Webinhalte also bereits gut auffindbar sein?

Wie verhält sich meine Zielgruppe

Am Anfang jeder Content Strategie, ob national oder international ausgerichtet, steht die Zielgruppenanalyse. Ist eine Website in mehreren Sprachen verfügbar, ist es wichtig, für jeden Zielmarkt eine eigene Analyse zu erstellen. So können die Inhalte später gezielt auf das Nutzungsverhalten der User in den unterschiedlichen Ländern ausgerichtet werden.

Internationale Inhalte erstellen

Internationale Inhalte erstellen

Angenommen es geht wieder um unsere Destination. Ziel der Website ist es, potentielle Urlauber über die Vorzüge der Region und die angebotenen Freizeitaktivitäten zu informieren. Die Interessen und Bedürfnisse der User können hierbei je nach Zielmarkt sehr unterschiedlich sein. Lieben die Niederländer z.B. Campingurlaub in den Sommerferien, so bevorzugen die Deutschen Wanderurlaub im Frühjahr und Sommer. Wieder eine andere Nation ist nur am Wintertourismus interessiert. Hier wird bereits deutlich, dass das „einfache“ übersetzen von Webinhalten über alle Sprachversionen hinweg wenig zielführen ist, da so nicht auf die individuellen Gegebenheiten einer Kultur und saisonal bedingte Faktoren eingegangen werden kann.

Inhalte anpassen & erweitern

Ist die Zielgruppe für die unterschiedlichen Länder definiert und analysiert, kann im nächsten Schritt ermittelt werden, welche Themen für die Zielmärkte relevant sind. So kann priorisiert werden, welche Inhalte für welche Länder zuerst erstellt bzw. angepasst werden sollten.

Wichtig ist es hierbei, Themengebiete ganzheitlich zu betrachten und vollständig abzudecken. Dies sollte schon bereits vor Erstellung der Website für den deutschen Inhalt geschehen sein. Doch auch hier genügt es nicht, das Thema und mögliche Unterthemen „nur“ auf den neuen Zielmarkt zu übertragen. Werden Themengebiete lediglich gespiegelt, besteht die Gefahr, dass für den neuen Zielmarkt relevante Inhalte nicht abgebildet werden und mein Webauftritt somit für meinen neuen Zielmarkt wenig Mehrwert bietet. Es ist also sowohl aus SEO- als auch aus Nutzersicht relevant, für jeden Zielmarkt die vollständige Abbildung von Themen erneut zu prüfen und auf das Zielland anzupassen.

Bleiben wir beim Beispiel der niederländischen Urlauber. Unsere Destination hat bereits eine deutschsprachige Seite zum Thema „Camping“ und möchte diese auf Grund der starken Nachfrage auch für die niederländische Sprachversion zur Verfügung stellen. Der Suchbegriff „camping“ wird in den Niederlanden viel gesucht (durchschnittl. 14.900 Suchanfragen pro Monat). Da der Begriff allerdings sehr generisch ist, kann das Bedürfnis der Nutzer, welches sich hinter der Suchanfrage verbirgt, ebenfalls sehr unterschiedlich sein. Viele User suchen daher mit spezifischeren Suchbegriffen, um die gewünschten Informationen zu finden. Hierbei ist das durchschnittl. Suchvolumen pro Monat zwar geringer, die Suchanfrage grenzt das Bedürfnis des User jedoch weiter ein und ermöglicht so das Bereitstellen von relevanten und hochwertigen Informationen zu genau dieser Suchanfrage. „Camping auf dem Bauernhof“ hat z.B. ein durchschnittl. Suchvolumen von 5.400 Anfragen pro Monat, kommt der User jedoch auf die Seite, findet er genau die Informationen, die er sucht. Das Gesamtthema kann immer tiefer auf einzelne Teilbereiche heruntergebrochen werden, wobei das Suchvolumen zwar immer kleiner wird, dafür aber die gebotenen Informationen immer genauer auf die Bedürfnisse des Users abgestimmt werden können.

Dies ist sowohl aus Nutzer als auch aus SEO Perspektive sinnvoll. Findet ein User die Informationen, die er sucht, bleibt er länger auf der Seite und betrachtet mehr Inhalte, was sich positiv auf die User Signale auswirkt und letztendlich so auch das Ranking positiv beeinflusst. Weiterhin kann die entsprechende Zielseite speziell auf diese Keywordkombination optimiert werden.

Interessen am Zielmarkt berücksichtigen

Durch die vollständige Betrachtung von Themengebieten pro Zielsprache kann sich die Notwendigkeit ergeben, die inhaltliche Gliederung einer Website für andere Sprachversionen anzupassen und einzelne Themen stärker zu gewichten als auf der deutschen Website.

Bleiben wir beim Camping Beispiel. Da das Thema in den Niederlanden sehr beliebt ist, gibt es viele unterschiedliche Suchanfragen, die sich auf einzelne Unterthemen herunterbrechen lassen. Für den deutschen Markt sind viele dieser Suchkombinationen nicht relevant, da das Suchvolumen zu gering ist. Daher wurde hier im Zuge der Contentplanung der deutschen Website auch kein Inhalt erstellt. Der Suchbegriff „Camping auf dem Bauernhof“ wird in Deutschland im Schnitt monatlich 720 Mal gesucht. In den Niederlanden liegt das Suchvolumen bei 5.400 Anfragen pro Monat. „Camping mit Kindern“ wird in Deutschland 590 Mal monatlich gesucht, in den Niederlanden hingegen fast 3.000 Mal.

Vergleich des Suchvolumens

Vergleich des Suchvolumens

Da das Interesse an diesen Themen auf dem niederländischen Markt sehr groß ist, lohnt es sich hierfür extra Inhalte zu erstellen, auch wenn die deutsche Website diese Unterthemen nicht abdeckt.

Mit welchen Begrifflichkeiten sucht meine Zielgruppe

Ein wichtiger Schritt in der Erstellung internationaler Inhalte ist die Verwendung der richtigen Schlüsselbegriffe (Keywords). Denn nur so kann die Zielgruppe die extra für sie aufbereiteten Inhalte auch finden. Es ist wenig erfolgsversprechend, bestehende Inhalte „nur“ zu übersetzten. Vielmehr sollte recherchiert werden, mit welchen Wörtern und Begrifflichkeiten meine Zielgruppe nach einem Thema sucht, um den Inhalt anschließend entsprechend aufzubereiten.

Nehmen wir an, unsere Destination ist beliebt unter Wintersportlern und es gibt eine Zielseite zum Thema Winterurlaub. Da auch viele Niederländer zum Winterurlaub anreisen, soll es diese in Zukunft auch in niederländischer Sprache geben. Die direkte Übersetzung für den Begriff „Winterurlaub“ lautet „Wintervakantie“. Doch auch die Begriffe „Wintersportvakantie“ und „Wintersport“ werden synonym genutzt. Diese Begrifflichkeiten wurden im Rahmen der Keywordrecherche ermittelt und auf das Suchvolumen hin überprüft.

Das durchschnittliche Suchvolumen pro Monat kann mit Hilfe des Google Keyword Planers abgefragt werden. Hierbei ist es besonders wichtig, je nach Zielland die richtige Land- und Sprachausrichtung auszuwählen, damit das korrekte Suchvolumen wiedergegeben wird. Ansonsten wird die Höhe des Suchvolumens möglicherweise verfälscht, wenn der Suchbegriff in dieser Schreibweise auch in anderen Ländern und anderen Sprachen existiert (Bsp. Wintersport). (Hier geht es zur Keyword Planer Anleitung)

Keywordplanner international nutzen

Keywordplanner international nutzen

Vergleicht man die verschiedenen Übersetzungsmöglichkeiten, wird deutlich, dass diese sich vom Suchvolumen her sehr stark unterscheiden. Wird der bestehende Text der deutschen Seite „nur“ übersetzt, besteht die Gefahr, dass relevante Begrifflichkeiten nicht berücksichtigt werden und Suchpotential somit „verschenkt“ wird. Natürlich ist das Suchvolumen nicht das einzige Kriterium, wenn es um die Inhaltserstellung geht. Es muss ebenfalls sichergestellt werden, dass die entsprechenden Suchbegriffe semantisch richtig sind und in den Zusammenhang passen. Dennoch sollte für jedes Land/ jede Sprachversion zu jedem Thema eine eigene Keywordanalyse erstellt werden. Diese liefert nicht nur die relevanten Suchbegriffe für den entsprechenden Zielmarkt, sondern ist auch hilfreich wenn es darum geht, Themengebiete tiefergehend zu analysieren und weitere Unterthemen zu finden, die meine Zielgruppe interessieren.

Wie genau ihr eine Keywordrecherche durchführen könnt und die Suchbegriffe anschließend sinnvoll zu Themenblöcken clusterst, könnt ihr in unserem Artikel Contentplanung und Erstellung  nachlesen. Es gibt übrigens auch Alternativen zum Keyword Planer, mit denen ihr ebenfalls das Suchvolumen ermitteln könnt.

Themenplanung mit Hilfe eines Redaktionsplans

Auch für die Erstellung bzw. Aufbereitung internationaler Inhalte bietet es sich an, einen Redaktionsplan zu erstellen. Dieser sollte auf das Nutzerverhalten des Zielmarktes abgestimmt sein, damit relevante Themen rechtzeitig auf der Webseite bereitgestellt werden können (sobald das Nutzerinteresse zu steigen beginnt). Dies ist besonders wichtig, wenn man z.B. einen Blog betreibt, auf welchem aktuelle Themen behandelt werden. Hier sollten die Themen zum saisonalen Interesse der User passen und rechtzeitig online und auffindbar sein.

Ein hilfreiches Tool um das Nutzerinteresse im zeitlichen Verlauf zu betrachten ist Google Trends.

Mit Google Trends zeitliches Interesse am Zielmarkt untersuchen

Mit Google Trends zeitliches Interesse am Zielmarkt untersuchen

Um das Nutzerinteresse für einzelne Länder und Zeiträume zu analysieren, können Land und Zeitraum jeweils im Menü ausgewählt werden.

Der zeitliche Verlauf zu dem Suchbegriff „Camping auf dem Bauernhof“ in den Niederlanden zeigt, dass das Interesse der User ab Ende Januar langsam zu steigen beginnt. Am stärksten gesucht wird das Thema im Juli. Danach fällt das Interesse wieder ab, bis es Ende August dann gegen null geht. Idealerweise sollte der Inhalt also im November/Dezember aufbereitet werden, damit er im Januar bereits rankt und von den Usern gefunden werden kann.

Fazit:

Um internationale Inhalte erfolgreich in den Suchmaschinen zu platzieren, ist es notwendig, diese individuell auf die entsprechende Zielgruppe auszurichten. Dies betrifft sowohl die abgebildeten Themen als auch das verwendete Wording. Es reicht nicht aus, Inhalte eins-zu-eins zu übersetzen, da das Suchbedürfnis der User pro Land sehr unterschiedlich sein kann. Ein vielgefragtes Thema auf dem deutschen Markt muss noch lange nicht für den niederländischen User interessant sein. Daher ist es wichtig, pro Land und Sprache eine eigene Zielgruppenanalyse und in Anlehnung hieran eine individuelle Keyword- & Themenanalyse zu erstellen. Nur so kann der Inhalt bestmöglich auf die Bedürfnisse der entsprechenden Zielmärkte ausgerichtet und in den Suchmaschinen gefunden werden.

Wie Sie Ihre internationale Website technisch auf die entsprechenden Zielmärkte ausrichten, erfahren Sie im Artikel „SEO für internationale Websites„.

Titelbild © photosoup – Fotolia.com

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