Google Tag Manager: Vorteile & Anwendungsbereiche

von | Apr 27, 2020 | Tagging

Der Google Tag Manager erleichtert die Implementierung von Google Analytics und anderen Webanalyse Tools auf eurer Website. Aber auch andere Tools können über das Tag Management System (TMS) eingebunden werden und das fast, ohne die IT miteinzubeziehen. Für Online Marketing Manager ohne Programmierkenntnisse ist dies ein großer Vorteil. Wie der Tag Manager funktioniert und für welche Bereiche er eingesetzt werden kann, erfahrt ihr hier.

Was ist der Google Tag Manager?

Mit dem Google Tag Manager könnt ihr Code Snippets wie Tracking Codes oder Conversionpixel auf euren Websites und mobilen Apps einbauen, ohne dabei in den Quellcode einzugreifen. Es muss lediglich ein Mal der Google Tag Manager Code eingebunden werden. Alles Weitere lässt sich dann über eine Browserbenutzeroberfläche aussteuern.

Neben dem Webanalyse-Tool Google Analytics lassen sich auch das Conversion-Tracking von Online-Werbesysteme wie Google Ads und Bing Ads, Testingtools wie Google Optimize und AB TastyAffiliate-TagsRemarketing-Tags sowie Tools zu Benutzerverfolgung (MouseflowHotjar) und vieles weitere wie zum Beispiel strukturierte Daten über den Google Tag Manager implementieren.

Viele Programme werden bereits standardmäßig unterstützt. Und selbst, wenn das Tool eurer Wahl nicht dabei ist, könnt ihr dieses zum Beispiel in Form von Pixeltracking über der Tag Manager aussteuern. Darüber hinaus habt ihr auch die Möglichkeit benutzerdefinierte JavaScripts und HTML-Codes über den Tag Manager zu integrieren.

Und was bedeutet das jetzt für euch?

Ihr habt einen zentralen Ort, an dem ihr alle diese Tags gesammelt ausspielen könnt. Bei Änderungen am Tracking, beim Einbau von Conversionpixeln oder bei der kurzfristigen Einbindung von Werbeanzeigen seid ihr nicht mehr auf die IT angewiesen. Durch die benutzerfreundliche Bedienoberfläche des Tag Managers könnt ihr auch ohne Programmierkenntnisse alle Implementationen und Änderungen selbst vornehmen.

Plant ihr zum Beispiel eine neue SEA Kampagne über einen Drittanbieter (nicht über Google Ads) und möchtet Conversionpixel dafür einbauen, braucht ihr nicht zu warten, bis die IT – die sowieso meist überlastet ist – Zeit dafür hat. Ihr seid unabhängig von Website Releases und könnt dadurch eure Online Marketing Maßnahmen viel schneller umsetzen.

Wie funktioniert der Google Tag Manager?

Der Tag Manager erfasst Interaktionen, die auf eurer Website oder in eurer App getätigt werden. Diese schickt er dann an die angebundenen Tools weiter. Die Auswertung der Daten selbst ist mit dem Tag Manager nicht möglich. Diese geschieht im jeweiligen Tool.

Damit das auch funktioniert, muss einmalig der Tag Manager Code auf eurer Website integriert werden. Dieser fungiert dann wie ein Container, in dem alle anderen Codes über das Tag Manager Konto angelegt werden.

Aufbau des Tag Manager Kontos

Im Tag Manager Konto habt ihr die Möglichkeit, mehrere solcher Container anzulegen. Grundsätzlich legt man pro Website oder pro App nur einen Container an, in dem dann alle Tags gespeichert werden, die auf der Website ausgespielt werden sollen.

Jeder Container besitzt eine eigene Container-ID. Außerdem gibt es für jeden Container einen Code-Snippet, eben jenen Code, den ihr auf eurer Website einbauen müsst.

Beispiel: Code-Snippet für Google Tag Manager

Beispiel: Code-Snippet für Google Tag Manager

Ist dieser einmal eingebaut, könnt ihr über das Google Tag Manager Konto aussteuern, welche Interaktionen auf der Website erfasst und welche dazugehörigen Daten wie interpretiert werden sollen.

Dazu legt ihr innerhalb des Containers bestimmte TagsTrigger und Variablen an. Diese sorgen dafür, dass die Daten auf der Website richtig gesammelt, klassifiziert und schließlich an das entsprechende Tool geschickt werden.

Funktionsweise des Google Tag Managers

Funktionsweise des Google Tag Managers

Ein Tag fungiert wie ein Code Fragment, das ihr normalerweise direkt in euren HTML-Code einbinden würdet. Ihr legt damit fest, wohin Daten geschickt werden, also an welches Tool. Über ein solches Tag lässt sich zum Beispiel der Google Analytics Code einbinden oder auch ein Google Ads Conversion Pixel. Außerdem gibt es noch spezielle JavaScript Tags, die keine Daten weiterschicken, aber für das Auslösen weiterer Tags zuständig sind

Viele Tags sind bereits vordefiniert und können mit wenigen Klicks eingerichtet werden – ganz ohne Programmierkenntnisse.

Tag-Typ auswählen

Tag-Typ auswählen

Tracking-Typ auswählen

Tracking-Typ auswählen

Außerdem gibt es eine Galerie für Tag Vorlagen. Hier befinden sich Vorlagen für Tags und Variablen, die von anderen Nutzern erstellt wurden und die ihr ebenfalls verwenden könnt. Wenn der Tag-Typ, den ihr braucht, nicht in der Vorauswahl erscheint, könnt ihr dort nachschauen, ob ihr ihn findet.

Tag Manager Galerie für Tag Vorlagen

Tag Manager Galerie für Tag Vorlagen

Um die Vorlagen zu verwenden, könnt ihr sie einfach importieren. Wie viel ihr dann noch anpassen müsst, hängt von der jeweiligen Vorlage ab. Mehr Informationen dazu, wie ihr mit den Vorlagen arbeitet, findet ihr in der Tag Manager Hilfe von Google.

Mit dem Trigger bestimmt ihr, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit ein Tag ausgespielt oder blockiert wird, also welche Interaktion auf der Website stattfinden muss, damit Daten verschickt werden.

Der Google Analytics Tag sollte zum Beispiel ausgespielt werden, sobald eine Unterseite aufgerufen wird. Der Trigger wäre in diesem Fall dann der jeweilige Seitenaufruf. Sobald eine Seite aufgerufen wird, wird auch der Tag ausgespielt. Mögliche andere Trigger können eine Anmeldung für den Newsletter oder das Aufrufen eines Videos sein.

Trigger-Typ auswählen

Trigger-Typ auswählen

Mit Variablen könnt ihr Tags und Trigger noch verfeinern. Sie legen fest, wo Werte abgefragt und wo diese gespeichert werden. Welche Werte müssen für eine Regel vorhanden sein und welche Werte sollen übergeben werden.

Wenn ihr zum Beispiel als Trigger einen Seitenaufruf wählt, könnt ihr mit der Variablen festlegen, bei welchen Unterseiten der Tag ausgelöst werden soll. Denkbar wäre zum Beispiel die Danke-Seite der Newsletter-Anmeldung.

Es gibt bereits viele vordefinierte Variablen. Ihr könnt aber auch benutzerdefinierte Variablen anlegen.

Variablen konfigurieren

Variablen konfigurieren

Mehr zum Aufbau und zur Einrichtung des Google Tag Manager Kontos findet ihr in unserem Blog.

Debuggingmodus und Versionen

Damit ihr nicht aus Versehen fehlerhafte Tags online stellt, gibt es den Vorschau- und Debuggingmodus. In diesem könnt ihr bereits vor dem Veröffentlichen eurer Tags sicherstellen, dass die richtigen und vor allem vollständigen Informationen erfasst werden. Das erleichtert euch das Testing ungemein.

Praktisch ist auch, dass im Tag Manager Konto alle Versionen des Containers gespeichert werden. Dadurch könnt ihr ganz einfach nachvollziehen, wann es Änderungen an euren Tags gab. Alte Versionen lassen sich im Handumdrehen wiederherstellen, falls sich doch irgendwo ein Fehler eingeschlichen haben sollte.

Beispiel: Google Analytics mit Google Tag Manager

Das klingt jetzt alles noch sehr abstrakt. Wie sieht das aber konkret aus?

Nehmen wir zum Beispiel das Tracking mit Google Analytics. Ohne Tag Manager müsst ihr den Tracking Code direkt in den Quelltext eurer Website einfügen. Jede einzelne Aktion, die ihr messen wollt, braucht einen eigenen Google Analytics Aufruf. Das heißt, dass ihr für jede Aktion, die vom Standard-Tracking abweicht, den Tracking Code entsprechend anpassen müsst. Und jedes Mal, wenn ihr eine Änderung an der Messung vornehmen wollt, müsst ihr den Code wieder anpassen.

Änderungen im Quellcode können meist nur von der IT-Abteilung oder einem IT-Dienstleister vorgenommen werden. Jede Anpassung muss beauftragt werden und bis diese von der IT umgesetzt wird, vergeht häufig auch eine gewisse Zeit und es fallen zusätzliche Kosten an. Jede Änderung am Quellcode birgt zudem auch die Gefahr, dass dabei Fehler entstehen. Ob das Tracking richtig angepasst wurde, muss dann aufwändig getestet werden und sind Fehler aufgetreten, muss die Änderung wieder durch die IT vorgenommen werden. Der Aufwand ist also sehr hoch.

Bei der Implementierung des Tracking Codes mit dem Tag Manager, muss nur ein Mal eine Änderung am Quelltext der Website vorgenommen werden. Alle weiteren Änderungen können über das Backend ausgesteuert und schon vor der Veröffentlichung im Debuggingmodus getestet werden. (Ausnahmen bestehen bei komplizierteren Tracking-Anforderungen wie zum Beispiel bei E-Commerce-Transaktionen.) Ihr spart dadurch enorm viel Zeit und Kosten und seid nur noch begrenzt von der IT abhängig.

Was bietet der Google Tag Manager 360 an zusätzlichen Features?

Der Google Tag Manager ist ein kostenloses Tool. Es gibt aber auch eine kostenpflichtige Enterprise Version, den Google Tag Manager 360. Sie ist Teil der Google Analytics 360 Suite und bietet einige zusätzliche Features, zum Beispiel können in der kostenlosen Version nur drei Leute parallel in einem eigenen Workspace an einem Projekt arbeiten. In der kostenpflichtigen Version gibt es hier keine Beschränkung. Außerdem werden ein Implementationsservice und Support angeboten. Ein weiteres zusätzliches Feature sind die GTM-Zonen, die es erlauben mehrere Untercontainer in den Hauptcontainer zu laden. Viele weitere Funktionen sind aber auch in der kostenlosen Variante vorhanden.

In der kostenlosen GTM Version ist die Zahl der Workspaces auf 3 beschränkt.

In der kostenlosen GTM Version ist die Zahl der Workspaces auf 3 beschränkt.

Google Tag Manager und Datenschutz

Spätestens seit dem Inkrafttreten der DSGVO im Mai 2018 ist die datenschutzgerechte Erfassung und Verarbeitung von Nutzerdaten auf Websites ein prominentes und vieldiskutiertes Thema. Und auch bei der Verwendung des Tag Managers stellt sich die Frage, ob und wie man ihn datenschutzgerecht nutzen kann. Muss er in der Datenschutzerklärung erwähnt werden? Oder muss man dem Nutzer sogar die Möglichkeit geben, das Tool auf Wunsch deaktivieren zu können (Opt-out)?

Der Google Tag Manager erfasst Daten auf Websites und leitet sie an Tools weiter, wo sie gespeichert und ausgewertet werden können. Er selbst speichert aber keine Daten ab und hat auch keinen Zugriff darauf. In der Datenschutzerklärung könnt ihr ihn der Vollständigkeit halber trotzdem aufführen und erklären, welche Tools über ihn eingebunden werden. Eine Opt-out-Funktion für den Tag Manager ist nicht erforderlich, sehr wohl aber für die einzelnen Tools, die über ihn eingebunden werden.

Vorteile des Google Tag Managers

Der Google Tag Manager ist ein kostenloses Tool, das mit relativ wenig Aufwand in Websites und mobile Apps integriert werden kann. Er bietet Online Marketing Managern mehr Freiheit bei der Erfolgsmessung von Marketing Maßnahmen und verringert Aufwände bei der IT.

Hier sind alle Vorteile des Tag Management Systems im Überblick:

  • Mehr selbstbestimmtes Arbeiten für Online Marketing Manager
  • Keine Programmierkenntnisse erforderlich dank vordefinierter Tags und benutzerfreundlicher Oberfläche
  • Weniger Aufwand für die IT
  • Kosten- und Zeitersparnis
  • Unabhängigkeit von Release-Zyklen
  • Änderungen können sofort vorgenommen und getestet werden
  • Einfache Fehlerbehebung
  • Weniger fehleranfällig, da der Quellcode nicht geändert werden muss
  • Zentraler Verwaltungsort aller Tags aus allen Tools

Aber Achtung: Der Google Tag Manager ist ein mächtiges Tool. Und auch wenn es möglich ist, Anpassungen ohne Absprache mit der IT vorzunehmen, solltet ihr doch darauf achten, dass ihr nicht gegeneinander arbeitet und mit dem Tag Manager Funktionen der Website außer Kraft gesetzt werden.

<a href="https://www.luna-park.de/blog/author/mdo/" target="_self">Mareike Doll</a>

Mareike Doll

Mareike ist Senior Consultant und leitet das SEO Team bei lunapark. Sie studierte Germanistik und Italienische Philologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn und absolvierte nach Abschluss ihres Studiums eine Fortbildung zur Online-Redakteurin. Bevor sie 2014 bei lunapark anfing, war sie bereits als Online Redakteurin in der SEO Agentur SEOPT tätig. Bei lunapark ist sie vor allem für SEO und Content Bewertung und Optimierung zuständig. Ihr Schwerpunkt liegt dabei auf Websites aus dem Tourismus Bereich. Sie gibt Workshops und betreut den Firmen-Blog.

10 Kommentare

  1. Avatar

    Wenn der Tag-Manager noch keine Inhalte hat, sendet er dann bereits Daten an Google? Hintergrund ist die neue Tracker-Cookie-Anmeldung gemäß EuGH und Genehmigung durch User.

    Antworten
    • Markus Vollmert

      Hallo Reinhard,
      der GTM selber macht erst mal noch nichts, er liefert nur die entsprechenden Codes und Regeln. In den Regeln muss man einstellen, dass die eigentlich Tracker nur geladen und ausgeführt werden, wenn die Erlaubnis vorliegt.

      Antworten
  2. Mareike Doll

    Hallo Fraenky,

    Facebook Pixel lassen sich auch über den Tag Manager einbauen.

    Liebe Grüße
    Mareike

    Antworten
  3. Avatar

    Hallo Mareike,

    wie sieht es mit der Integration des Facebook Pixels in den Tag Manager aus?

    Antworten
  4. Avatar

    Hallo Mareike,
    vielen Dank für den super simpel erklärten Überblick. Genau, was ich auf die Schnelle gesucht habe.

    Cheerio, Janine vom Team SalierDruck

    Antworten
  5. Avatar

    Endlich hats mal jemand simpel und verständlich geschrieben 😉

    Antworten
  6. Avatar

    Interessanter Artikel. Nur eine Frage dazu, wie ist das mit dem Datenschutz bei der Analytics implementierung mit anonymizeIP zu regeln?

    Antworten
    • Mareike Doll

      Hallo gh,

      du kannst auch über den Google tag Manager bei der Implementierung von Google Analytics anonymizeIP einrichten. Schau mal in unseren Artikel zur Google Analytics Einrichtung: https://www.luna-park.de/blog/29231-google-analytics-einbinden/. Hier gibt es auch ein Kapitel zur Einrichtung mit dem Tag Manager, in dem erklärt wird, wie man dabei vorgeht.

      Liebe Grüße
      Mareike

      Antworten
  7. Mareike Doll

    Hey Elias,

    so weit ich weiß beeinträchtigt der Tag Manager die Ladezeiten nicht, da alle Tags nachgeladen werden. Wenn du sehr viele Tags verwendest kann sich das sogar positiv auf die Ladezeiten auswirken, wenn du sie über den Tag Manager implementierst anstatt in den Quellcode.

    LG Mareike

    Antworten
  8. Avatar

    Guter Artikel. Wie ist das eigentlich, gibt es Informationen darüber ob der Google Tag Manager die Ladezeit einer Webseite verlängert?

    Antworten

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