Für Website-Betreiber ist nicht nur interessant, ob sich der Traffic auf der eigenen Website erhöht oder verringert, sondern vor allem, von welchen Quellen dieser Traffic kommt. Nutzer erreichen eine Website auf ganz unterschiedlichen Wegen – über die organische oder bezahlte Suche, über eine Social-Media-Kampagne oder über einen Newsletter. Damit sich die Leistung dieser Quellen schnell und einfach auswerten lässt, gruppiert Google Analytics sie automatisch in Channels. In diesem Beitrag zeigen wir dir, wie diese Channelgruppierung in GA4 funktioniert und wann sich eine eigene, benutzerdefinierte Gruppierung lohnt.
Der Standard-Channel-Gruppe von GA4
Anders als in Universal Analytics, wo es eine einzelne „Standard-Channelgruppierung” gab, bringt GA4 eine feste, nicht editierbare Standard-Channel-Gruppe mit 18 vordefinierten Channels mit: unter anderem Organic Search, Paid Search, Organic Social, Paid Social, Organic Shopping, Paid Shopping, Display, Email, Referral, Direct, Affiliates, Audio, Organic Video, Paid Video, Paid Other, Mobile Push Notifications, SMS und – neu hinzugekommen – AI Assistant für Traffic, der von KI-Assistenten und Chat-Tools verwiesen wird.
Jeder dieser Channels wird über eine Kombination aus Quelle, Medium, Kampagnentyp und Ad-Netzwerk-Typ definiert. Ein paar Beispiele:
- Paid Search: Google-Ads-Traffic, bei dem das Ad-Netzwerk „Google Search” ist oder der Kampagnentyp Search/Hotel/Travel entspricht.
- Organic Search: Klicks auf organische Suchergebnisse oder Traffic, dessen Medium „organic” entspricht.
- Direct: Traffic ohne Referrer, bei dem Quelle „(direct)” und Medium „(not set)” oder „(none)” ist.
- Referral: Traffic, dessen Medium „referral”, „app” oder „link” entspricht.
- Email: Quelle oder Medium entspricht gängigen E-Mail-Bezeichnungen.
Diese Standard-Channel-Gruppe siehst du als primäre Dimension in den Akquisitionsberichten, zum Beispiel unter Berichte > Akquisition > Traffic-Akquisition.
Wann reicht die Standard-Gruppierung nicht mehr aus?
Die Standard-Channel-Gruppe deckt die gängigsten Fälle gut ab, stößt aber an Grenzen, sobald deine Kampagnenstruktur spezifischer wird. Ein Hinweis auf Zuordnungsprobleme ist der Channel „Unassigned” bzw. „Other”: Hier landet Traffic, der zu keiner der definierten Bedingungen passt – meist, weil UTM-Parameter fehlen oder untypisch aufgebaut sind. Auch wenn du zum Beispiel deinen Newsletter-Traffic, bestimmte Affiliate-Partner oder einzelne Paid-Kampagnen separat auswerten willst, kommst du mit der Standard-Gruppierung schnell an ihre Grenzen. Für solche Fälle bietet GA4 benutzerdefinierte Channel-Gruppen an.
Eine eigene Channel-Gruppe anlegen
Du findest die Einstellung in der Verwaltung unter Datenanzeige > Channelgruppen. Standard-Properties erlauben bis zu 2 eigene Channel-Gruppen, GA4-360-Properties bis zu 5 – jede Gruppe kann bis zu 50 Channels enthalten.
So gehst du vor:
- Klicke auf „Neue Channelgruppe erstellen”.
- Am einfachsten kopierst du die Standard-Channel-Gruppe als Ausgangspunkt und passt sie danach an.
- Vergib einen Namen und optional eine Beschreibung.
- Bearbeite bestehende Channels oder lege neue mit eigenen Bedingungen an. Zur Auswahl stehen unter anderem Kampagnen-ID, Kampagnenname, Standard-Channel-Gruppe, manueller Anzeigeninhalt, Medium, Quelle und Quellplattform – kombinierbar über Bedingungen wie „entspricht genau” oder „entspricht Regex”.
- Bringe die Channels in die richtige Reihenfolge.
- Speichere die Gruppe.
Wichtig zu wissen: Traffic wird immer dem ersten Channel zugeordnet, dessen Bedingung er erfüllt – in der Reihenfolge, in der die Channels in deiner Gruppe stehen. Ein spezifischerer Channel (z. B. „Newsletter”) muss deshalb in der Liste vor einem allgemeineren Channel (z. B. „Email”) stehen, sonst greift nie die spezifischere Regel.
Praxisbeispiel: Eigenen Newsletter-Channel definieren
Willst du euren Newsletter-Traffic getrennt vom restlichen E-Mail-Traffic auswerten, legst du einen neuen Channel „Newsletter” an, dessen Bedingung zum Beispiel auf Quelle entspricht genau newsletter und Medium entspricht genau email prüft, und platzierst ihn vor dem allgemeinen Email-Channel in der Reihenfolge. So läuft künftig nur noch generischer E-Mail-Traffic in den Standard-Channel „Email”, während euer definierter Newsletter-Versand sauber als eigener Channel auswertbar ist.
Wo taucht die Channelgruppierung sonst noch auf?
Neben den Akquisitionsberichten fließt die gewählte Channel-Gruppe auch in die Attributionsberichte ein: Im Modellvergleich und in den Conversion-Pfaden lässt sich zwischen Standard- und benutzerdefinierter Channel-Gruppe umschalten, sodass du die Touchpoint-Bewertung konsistent mit eurer eigenen Kanal-Logik durchführen kannst.
Fazit
Die Standard-Channel-Gruppe von GA4 liefert dir sofort eine solide, automatische Einordnung eures Traffics nach den gängigsten Kanälen. Sobald ihr aber spezifischer analysieren wollt – einzelne Kampagnen, Partner oder Versandkanäle – lohnt sich eine benutzerdefinierte Channel-Gruppe. Achte dabei besonders auf die Reihenfolge der Regeln: Sie entscheidet, welcher Channel den Traffic am Ende tatsächlich bekommt. Mit einer sauber gepflegten Channel-Gruppe wird nicht nur die Traffic-Akquisition aussagekräftiger, sondern auch jede darauf aufbauende Attributionsanalyse.
