OMCap 2014 – Der lunapark Recap aus dem Kinosessel

Vom 7.10. bis zum 9.10.2014 fand in Berlin die Online Marketing Capital (OMCap) statt. Ich war am dritten Tag der OMCap bei der Online Marketing Konferenz dabei. Sie fand in den ehemaligen Kinosälen des KOSMOS Berlin statt. In vier verschiedenen Slots berichteten nationale und internationale Branchen-Experten über neue Trends aus den Bereichen SEO, Social Media, Paid Advertising, Performance Marketing und Analytics und stellten sich im Anschluss den Fragen des Publikums. Die Vorträge fanden in den Kinosälen statt, so dass jeder in einem gemütlichen Sessel sitzen konnte und dabei einen guten Blick auf die Präsentationen erhielt.

Online Marketing und Pokern

Die Keynote wurde von dem professionellen Pokerspieler Jan Heitmann gehalten. Locker und unterhaltend brachte er uns die Grundlagen des Pokerspielens näher. Was das mit Online Marketing zu tun hat? Das habe ich mich auch gefragt. Wenn man sich aber genauer mit der Thematik auseinandersetzt, lassen sich tatsächlich einige Parallelen erkennen. Poker ist nämlich, so erklärte es Jan, ein Spiel über Menschen, die Karten sind eher Nebensache. Der Erfolg beim Pokern hängt davon ab, wie gut man seine Mitspieler einschätzt. Um zu gewinnen, sind Strategien und Konzepte notwendig, nach denen man eine Taktik entwickelt. Und das erinnert mich dann doch schon entfernt ans Online Marketing. Ob mich die Keynote jetzt wirklich weiter gebracht hat, wage ich zu bezweifeln. Aber sie war auf jeden Fall ein unterhaltsamer Auftakt zu einer interessanten Online Marketing Konferenz.

Persona Driven Keyword Research

Weiter ging es mit Michael King von iPullRank, auch bekannt als Autor des Moz Blogs, und seinem Vortrag „Persona Driven Keyword Research“. Michael gab sich wirklich die größte Mühe uns zum Lachen zu bringen. Vielleicht war es um 10 Uhr noch dafür einfach noch zu früh für das deutsche Publikum. Was ich aus diesem Beitrag mitgenommen habe:

  • Bei der Keywordrecherche geht es nicht nur um Keywords, sondern um die Bedürfnisse der Suchenden, die hinter der Suchanfrage stehen. Warum sucht ein User nach diesem Begriff. Wer sind die Menschen hinter der Suchanfrage.
  • Um zu erfahren, welche Keywords die passenden sind, macht es Sinn, die User-Journey nachzubauen: Also zu überlegen, zu welchem Zeitpunkt einer Suche der Nutzer mit welchem Keyword sucht.
Michael King auf der OMCap 2014

Michael King auf der OMCap 2014

Keine wirklich neuen Erkenntnisse für mich, aber sehr unterhaltsam. Außerdem lieferte Michael noch eine lange Liste verschiedener Tools zur Keywordanalyse mit, von denen ich das eine oder andere vielleicht noch ausprobieren werde.

StumbleUpon

Interessant war der anschließende Vortrag „What content rocks on StumbleUpon“  von Andrew Levine von StumbleUpon und 5by, vor allem deshalb, weil ich vorher noch nie etwas von den beiden Diensten gehört hatte. StumbleUpon ist ein themenbezogener Such-Dienst, der in den USA anscheinend schon intensiv genutzt wird. Durch eine geschickte Kategorisierung bietet er Usern die Möglichkeit, verwandte Inhalte zu bestimmten Webseiten anzuzeigen. Auf diese Weise sollen User die Möglichkeit haben, für sie interessante Inhalte im Netz zu entdecken, nach denen sie nicht gezielt gesucht haben.

Die Frage, welche Inhalte auf StumbleUpon gut performen, lässt sich im Grunde auf das gesamte Internet ausweiten. Laut Andrew sind es:

  • Evergreen Content
  • beeindruckende Bilder
  • Listen (wie BuzzFeed)
  • lustige Inhalte
  • animierte Gifs
  • außergewöhnliche Inhalte, die sich von anderen deutlich unterscheiden
  • Tipps, die den Usern helfen produktiver zu sein

Außerdem stellte uns Andrew die Video-Plattform 5by vor. Hier werden Videos aus allen Teilen des Webs gesammelt (YouTube, Facebook etc.) und kategorisiert. Übrigens betonte Andrew, wie wichtig es ist, eine eigene Video-Strategie zu entwickeln.

Andrews Tipps für erfolgreiches Online Marketing:

  • In guten Content investieren
  • Risiken eingehen
  • Mobile Video Strategie als Teil des Media Mixes etablieren

SEO für internationale Seiten

Magdalena Mues und Maik Metzen von AKM3 stellten in ihrem Vortrag „Case Study: Erste SEO-Schritte einer internationalen Brand“ ihre Vorgehensweise für die Umsetzung internationaler Seiten am Beispiel von Doodle vor. Hier mussten Inhalte für 25 Länder und in 17 Sprachen bereitgestellt werden.

Wichtige Fragestellungen, die man sich in diesem Bezug stellen muss, sind:

  • Sollen die internationalen Seiten über Toplevel-Domains mit entsprechender Länderkennung, Subdomain oder Subfolder umgesetzt werden
  • Sollen mehrsprachige Inhalte länderbasiert oder sprachbasiert bereitgestellt werden (eine Seite mit deutschsprachigen Inhalten für Deutschland, Österreich und Schweiz oder jeweils eine eigene Seite für jedes Land)

Außerdem zeigten Magdalena und Maik auf, welche Fehler bei der Umsetzung auftauchten und wie sich diese beheben ließen. Nachdem die technischen Grundlagen umgesetzt waren, ging es dann weiter mit der gezielten Erstellung von Content und Landingpages.

Storytelling: Wie man sich in eine Marke verliebt

Nach der Mittagspause zog Marc Rüsing in „Falling in Love with Brands is like Falling in Love with a Person“ eine Parallele zwischen Markenbindung und dem Kennenlernen mit seiner Frau. Beide Prozesse durchlaufen drei Phasen:

  1. Begegnung: Während Marc seine Frau im Flugzeug kennen lernte, geschieht die erste Begegnung mit einer Marke meist über Medien. Wichtig: Eine reine Massenansprache (wie z.B. in der Fernsehwerbung) funktioniert heute nur noch bedingt. Je individueller die Ansprache, desto besser.
  2. Begeisterung: Die Begeisterung für eine andere Person hängt meist von gemeinsamen Interessen ab, z.B. für Live-Musik. Bei der Begeisterung für eine Marke läuft dieser Prozess über emotional aufbereitete Inhalte ab.
  3. Bindung: Eine Bindung entsteht über Daten, zum Beispiel durch den Austausch der Handy-Nummern. Weil Nutzer ihre Daten nicht immer freiwillig herausrücken, kann dies beim Online-Marketing etwas komplizierter sein. Hier ist die Beobachtung der Nutzer hilfreich: Customer-Journey, Kaufhistorie etc.
Marc Rüsing auf der OMCap 2014

Marc Rüsing auf der OMCap 2014

Auch wenn der Vergleich an der einen und anderen Stelle etwas hinkt, ist klar was damit gemeint ist: Die Ansprache potenzieller Kunden sollte so individuell wie möglich sein. Denn je eher sich ein Kunde mit einer Marke identifizieren kann, desto eher „verliebt“ er sich in sie. Da nun natürlich nicht für jeden einzelnen potenziellen Kunde eine eigene Marketing-Kampagne gestartet werden kann, ist es wichtig Daten zu sammeln und Cluster von verschiedenen Kunden-Gruppen zu bilden: verschiedene Zielgruppen (Mehr zum Thema Zielgruppe: Zielgruppenanalyse im Online-Marketing). Diese können dann gezielt mit personalisierten Newslettern und Angeboten angesprochen werden.

Yandex: Suchmaschinenalgorithmus ohne Links

Grigory Bakunov erklärte in seinem Vortrag „How to remove links from the search algorithm and not destroy the world“ warum die russische Suchmaschine Yandex Backlinks nicht mehr als Ranking-Faktor wertet: Durch Linktausch und Linkkauf ist die Backlink-Struktur einer Website sehr einfach zu manipulieren. Und weil gerade mit Linkkauf sehr viel Missbrauch getrieben wird, hat Yandex diesen Ranking-Faktor einfach mal gestrichen, zumindest bei Suchanfragen, hinter denen eine Kaufabsicht steckt. So soll der Fokus stärker auf Content, Usability und Design der Websites gelegt werden. (Mehr über Suchmaschinenoptimierung für Yandex)

Conversion Attribution

Alwin Haensel von Haensel AMS und Amit Ghosh von INWT Statistics widmeten sich in ihrem Vortrag den „Opportunities und Challenges von Analytics im Attribution Kontext, View-Impact“. Alwin erklärte das ganze Thema sehr anschaulich anhand der Fußball WM 2014, indem er die Torchancen der deutschen Nationalmannschaft mit den Conversions gleichsetzte und die Spieler mit den verschiedenen Kanälen. So wurde deutlich, dass nicht nur der Spieler (der Kanal) der aufs Tor schießt (über den die Conversion erfolgt), für den Erfolg wichtig ist, sondern auch der Spieler, der den Spielzug einleitet sowie der Spieler, der die Vorlage für den Torschuss gibt. Um die Bedeutung der einzelnen Spieler (Kanäle) richtig zu bewerten, ist es deshalb notwendig, eine entsprechende Gewichtung vorzunehmen. An verschiedenen Rechenbeispielen zeigte Alwin, wie sich die Bewertung der einzelnen Spieler mit der Gewichtung verändert und dass auch Özil sehr wichtig für den Erfolg der deutschen Mannschaft war, obwohl er während der WM oft kritisiert wurde.

Alwin Haensel auf der OMCap 2014

Alwin Haensel auf der OMCap 2014

Linkstrategie-Analysen

Wirklich interessant fand ich den Vortrag von Razvan Gavrilas, Gründer von cognitiveSEO . In „Cutting-Edge Link Strategy Analysis“ zeigte er am Beispiel von fünf Unternehmenswebsites, wie man anhand ihrer Backlink-Profile ihre Digital Marketing Strategie herleiten kann.

Sein Fazit: Links & Social Signals verraten eine Menge, man muss sie nur richtig lesen.

All Star Panel

Anstelle von Ian Lurie von Portent, der leider aus Krankheitsgründen kurzfristig absagte, fand unter Moderation von Michael King eine Panel zu aktuellen Online-Marketing Trends statt. Razvan Gavrilas, Jeff Allen, Jessica Gioglio, Ross Hudgens und Andrew Levine stellten sich auf überaus sympathische Weise den Fragen aus dem Publikum.

Fazit

Die Online-Marketing Konferenz der OMCap bot 2014 ein reichhaltiges Programm. Bei der Auswahl der Vorträge konzentrierte ich mich vor allem auf das Thema SEO, wobei hier aber wirklich neue Erkenntnisse für mich ausblieben. Von dem ein oder anderen Vortrag habe ich mir deutlich mehr erhofft.

Weitere Recaps:

http://internetzkidz.de/2014/10/recap-omcap-2014-berlin/

http://www.webworx.de/news/nachrichten/unsere-highlights-von-der-omcap-2014.html

http://www.akm3.de/blog/akm3-auf-der-omcap-2014-unser-recap

http://www.projecter.de/blog/projecter/42-anregungen-und-fakten-die-wir-von-der-omcap-2014-mitgenommen-haben-unser-recap.html

Verwandte Artikel

4 Antworten
Trackbacks & Pingbacks

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *