Google Advanced Analysis: Neues GA360 Webanalyse Tool in der öffentlichen Beta

von | Mai 30, 2018 | Analytics

Am 17. Mai 2018 gab Google via Blog bekannt, dass mit Advanced Analysis ein neues Analyse-Tool innerhalb von Google Analytics 360 ausgerollt wurde. Wir haben uns dieses Tool direkt einmal für euch angeschaut und bieten euch nun einen ersten Überblick sowie Empfehlungen für die Verwendung dieses neuen GA360 Features, das laut Google vor allem für die bessere Analyse der Customer Journey eurer Kunden, sowie deren Erfahrungen mit eurer Website verwendet werden sollte.

Zu finden ist das neue Tool in allen GA360 Accounts am linken unteren Rand über den Bereichen „Entdecken“ und „Verwaltung“:

Advanced Analysis im Google Analytics Konto

Advanced Analysis im Google Analytics Konto

Wenn ihr auf den Schriftzug klickt, öffnet sich ein neues Fenster im Browser mit der „Startseite“ von Advanced Analysis, auf der, ihr ähnlich wie bei Data Studio, eine Übersicht über die angelegten oder für euch freigeschalteten Reports erhaltet. Außerdem könnt ihr von hier aus ganz einfach neue Reports und Analysen erstellen mit Hilfe von Vorlagen oder einer blanken Seite.

Advanced Analysis Oberfläche

Advanced Analysis Oberfläche

Insgesamt ist das Tool in drei Unterbereiche unterteilt, die verschiedene Möglichkeiten bieten mit euren Daten zu arbeiten, sie zu analysieren und / oder grafisch auszuwerten. Diese drei Bereiche sind die folgenden:

  • Erkundung: Hier könnt ihr ähnlich wie bei benutzerdefinierten Berichten mit mehreren Tabs in Analytics oder im Data Studio eigene Reports anlegen, Segmente darüberlegen und die Daten als Pivot, Kreis- oder Liniendiagramm darstellen lassen. Seit neuestem scheint das Tool auch eine Verknüpfung zu den benutzerdefinierten Berichten in Analytics zu haben, denn diese werden nun ebenfalls in der Übersicht der Reports in Advanced Analysis dargestellt. D.h. ihr könnt in Advanced Analysis auch mit bereits bestehenden benutzerdefinierten Berichten aus Google Analytics arbeiten und diese ggf. weiterentwickeln. Die Reports können auch als .csv oder Google Tabelle exportiert werden. Insgesamt ist alles grafisch etwas schöner dargestellt. Außerdem können mehrere Filter über die Berichte gelegt werden, wenn man z.B. nur Nutzer mit einem Umsatz von größer als 100 € o.ä. betrachten möchte. Der Erkundungsbereich ist also ein guter Ausgangspunkt für eine tiefere Analyse.
  • Segmentüberschneidung: Diese hilft euch bei der grafischen Auswertung von Nutzern in verschiedenen Segmenten und deren Überschneidung, z.B. könnt ihr hier recht einfach darstellen, wie groß der Anteil an Nutzern ist, die einen Kauf tätigen im Paid Traffic Segment.
  • Trichteranalyse: In diesem Bereich könnt ihr individuelle Conversion Funnel definieren und anlegen, unabhängig von den in Google Analytics 360 definierten Zielvorhaben-Trichtern. Besonders hilfreich ist dieser Bereich, wenn euch z.B. im Erkundungs-Tab etwas aufgefallen ist, das ihr nun genauer unter die Lupe nehmen wollt.

Vorteile von Advanced Analysis im Vergleich zum bisherigen Analytics Reporting

Das neue Tool vereinfacht euch einige, in Google Analytics sehr aufwändige, Prozesse für die Analyse der Customer Journey sowie speziellen Zielgruppen-Segmenten. Folgende Punkte sind meiner Meinung nach die wichtigsten Vorteile im Vergleich zu den bisherigen Reporting-Funktionen im Google Analytics Umfeld:

  1. Insgesamt könnt ihr in Advanced Analysis sehr einfach und schnell Zielgruppen oder Segmente anlegen, per Rechtsklick auf die jeweiligen Daten. Außerdem ist es möglich insgesamt flexibler mit den Nutzerdaten dieser Segmente zu interagieren und zu arbeiten. Diese erstellten Segmente könnt ihr sowohl im Tool selbst als auch in Google Analytics nutzen.
  2. Das Drag & Drop Interface vereinfacht die Arbeit und das Anlegen von Reports deutlich – wobei diese Funktion so ähnlich auch in Data Studio möglich ist und hier sogar noch Drittanbieter Daten über Community Connectors hinzugeholt werden können, was aktuell bei Advanced Analysis nicht möglich ist.
  3. Ihr könnt benutzerdefinierte Funnels anlegen mit bis zu zehn Schritten und es können bis zu vier Segmente nebeneinander in den Funneln verglichen werden.
  4. Der Bereich Segmentüberschneidung hilft euch dabei, festzustellen inwiefern sich die von euch definierten Segmente überschneiden und die gleichen Nutzer enthalten. Hier könnt ihr bis zu 3 Segmente nebeneinanderlegen. Diese Funktion finde ich recht hilfreich, wenn es darum geht das Verhalten von unterschiedlichen Zielgruppen granularer auszuwerten. Bevor man in die tiefere Analyse der Daten geht, könnt ihr mit Hilfe dieser Funktion testen, ob sich die von euch definierten Zielgruppensegmente wirklich stark voneinander unterscheiden, oder ob ihr viele Nutzer habt, die sich sowohl in Segment A UND B
  5. Per Rechtsklick können außerdem individuelle Nutzer im Nutzerexplorer von Google Analytics 360 dargestellt und analysiert werden oder wie bereits erwähnt Segmente / Zielgruppen angelegt werden.
Segemente und Zielgruppen

Segmente und Zielgruppen

Zu beachten ist allerdings, dass es ein Limit von max. 10 Segmenten pro Advanced Analysis Report gibt, die ihr importieren könnt. An sich sollte das Maximum aber ausreichen für die meisten Anforderungen. Zusätzlich solltet ihr wissen, dass ab 100 Millionen Sitzungen Sampling auftreten kann. Alles, was unter diesem Wert liegt, wird nicht gesampelt, sodass ihr mit den Rohdaten arbeiten könnt.

Abgrenzung zum Reporting mit Data Studio

Wenn ihr vor der Entscheidung steht ein Reporting mit Data Studio oder Advanced Analysis zu erstellen, solltet ihr euch folgende Unterschiede anschauen. Momentan gibt es einige Möglichkeiten, die euch Advanced Analysis bietet, Data Studio allerdings nicht:

  1. Grafische Darstellung von Funneln
  2. Darstellung von Segment Überschneidungen
  3. Rechtsklick: Darstellung individueller Nutzer und anlegen von Segmenten / Zielgruppen

Wenn ihr also Reporting-Anforderungen habt, die die oben genannten Punkte miteinschließen, dann würde ich euch empfehlen auf Advanced Analysis zurückzugreifen, statt ein Data Studio Reporting aufzusetzen.

Anwendungsfälle und Beispiele zur Arbeit mit Advanced Analysis

Der Erkundungsbereich bietet euch, wie bereits gesagt, die Möglichkeit benutzerdefinierte Reports neu anzulegen oder aus Google Analytics zu importieren, zu bearbeiten und die Daten mit Hilfe von mehreren Segmenten gleichzeitig auszuwerten.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die Arbeit mit farbigen Heatmaps:

Farbige Heatmaps in Advanced Analysis

Farbige Heatmaps in Advanced Analysis

In diesem Report könnt ihr beispielsweise recht schnell und einfach auswerten, über welchen Kanal die meisten neuen Nutzer gekommen sind und welche Channel hauptsächlich mobile Traffic auf eure Website bringen.

Mit Hilfe der Segmentüberschneidung könnt ihr neben einer Überprüfung eurer definierten Zielgruppensegmente auch Performance Auswertungen durchführen bzw. grafisch darstellen wie groß z.B. im Paid oder Organic Bereich der Anteil von Nutzern ist, die einen Kauf getätigt haben. Mit Hilfe der Segmentüberschneidung könnt ihr diese einfach und übersichtlich darstellen:

Segmentüberschneidung in Advanced Analysis

Segmentüberschneidung in Advanced Analysis

Im Funnel Bereich könnt ihr, wie bereits angedeutet, Conversion Funnel auf eurer Website Schritt für Schritt auswerten – dies ist deutlich granularer möglich, als in den benutzerdefinierten Funnels in Google Analytics 360 selbst. Ihr könnt ganz einfach einzelne Schritte für einen Funnel definieren und anlegen. Allerdings ist es aktuell nicht möglich einen Funnel aus bestehenden Zielvorhaben-Trichtern in Analytics zu nutzen, sondern ihr müsst diese einzeln nachbauen, z.B. auf URL-Basis. Es können bis zu 4 Segmente über einen solchen Funnel gelegt werden, um die Performance dieser miteinander zu vergleichen. Zum Beispiel könnt ihr so den Conversion Funnel für mobile und Desktop Nutzer vergleichen:

Funnel abbilden mit Advanced Analysis

Funnel abbilden mit Advanced Analysis

Fazit

Insgesamt ist Advanced Analysis für alle unter euch von großem Nutzen, die viel und häufig mit Segmenten und / oder Big Query arbeiten, um Nutzer- oder Zielgruppenverhalten auszuwerten.

Vor allem durch die grafische Aufbereitung von euren Segmenten und Nutzerdaten bietet sich das Tool durchaus bei Präsentationsvorbereitungen an, oder wenn ihr die Aussagen eurer Analysen recht schnell und einfach mit Grafiken unterstützen möchtet.

Da das Tool einige Funktionen, vor allem in Bezug auf die Auswertung und Darstellung von Conversion Funnels bietet, die es aktuell so nicht im Data Studio gibt, lohnt es sich definitiv für solche Auswertungen einen Bericht in Advanced Analysis anzulegen. Während Data Studio also für allgemeinere Reportings nützlich ist, bietet Advanced Analysis – wie auch der Name schon sagt – die Möglichkeit spezifischere Auswertungen zu fahren und grafisch aufzubereiten.

Für alle Google Analytics 360 Kunden, die aktuell Analysis noch nicht in ihren Accounts sehen: das Tool soll laut Google bis Ende Mai / Anfang Juni komplett ausgerollt sein, habt also noch etwas Geduld 😊

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