SEOkomm 2016 Recap

Das Jahr neigt sich dem Ende zu: Die die ersten Weihnachtsmärkte öffnen ihre Stände. So auch in Salzburg, der Heimat der beliebten, österreichischen SEO Konferenz SEOkomm. Am 18.11.2016, einen Tag nach der OMX, durften auch wir – Katja und Peter – dabei sein und uns über die neusten Trends und Entwicklungen im Bereich der Suchmaschinenoptimierung informieren lassen.

Die SEOkomm fand in diesem Jahr schon zum siebten Mal statt. 750 SEO und Online Marketing Interessierte fand Ihren Weg in die Brandbox.

Keynote von Marcus Tandler

Mit seiner Keynote „SEOs sind wo oben ist“ rannte Marcus Tandler von Onpage.org dieses Jahr durch seine mehr als 400 Folien und inspirierte die Teilnehmer mit neuen, spannenden Themen zum Mobile Web und überraschenden Fakten über uns, die gläsernen Menschen.

Google weiß alles über uns und das ist keinesfalls übertrieben. Mit Google Chrome und Android geben wir unglaubliche Datenmengen von uns preis und versorgen den Datenriesen mit neuen Informationen. Daneben baut Google seine Stellung im Mobile Web aus und bietet uns immer mehr Werkzeuge an, um das Internet damit weiterzuentwickeln. Ganz klar die größten Themen in diesem Jahr, die auch ihren Weg in die Keynote von Marcus Tandler gefunden haben.

Mit AMP und Firebase, einer neuen Plattform für Apps, erinnerte uns Marcus auch an neue Technologien. Er zeigte, welche Möglichkeiten wir hier erwarten können und dass der Umgang mit solchen Technologien auch Gefahren mit sich bringen kann.

Weitere Keynote-Themen waren:

  • Dynamische Links (Firebase)
  • Chrome ist Marktführer
  • 70% aller Suchanfragen werden durch Bots verursacht
  • Google testet Rankings mit User Signalen
  • AMP bietet immer mehr Funktionen
  • 85% der Suchergebnisse sind mobile-friendly
  • Progressive Web Apps werden immer wichtiger

Vor allem die technischen Themen sind wieder von großer Bedeutung: Ladezeiten, Crawling und Mobile. Diese Themen werden uns auch im nächsten Jahr über den Weg laufen. Neue Technologien und neue Standards wie h2 (oder auch http/2 genannt) werden endlich auch von den VIPs aus der SEO-Szene zur Sprache gebracht und mit einem Preisschild versehen.

Eins ist klar, so eine Keynote vergisst man nicht. Marcus hat die Bühne gerockt und die SEO-Gemeinde dankte ihm dies mit tosendem Applaus.

Mach endlich deine Website sauber!

Dominik Wojcik von Trust Agents sprach in seinem Vortrag über die Komplexität wachsender Websites und Herausforderungen, die sich daraus für Google ergeben, um Websites vollständig und korrekt zu erfassen.

Mithilfe des Patents „Scheduler for search engine crawler“ von Google und dem Vergleich von Messie Haushalt und nicht optimierter Website konnte Dominik Wojcik uns die wichtigsten Punkte für die technische Optimierung aufzeigen.

Dominik Wojcik auf der SEOkomm 2016

Dominik Wojcik auf der SEOkomm 2016

Unter anderem waren folgende Punkte Teil seines Vortrags:

Interne Verlinkung

  1. Reduktion der doppelten Links, 4xx- und 3xx-Fehler
  2. Positionierung (Google’s Reasonable Surfer)
  3. Maskierung mit Post-Redirect-Get-Patterns und Javascript
  4. Siloing (Stichwort: Linkgraph)

Crawling

  1. Logfile-Analysen (Count auf URL Ebene, Pattern Detection, Grouping & Siloing Meassurement, Parameter Detection)
  2. Monitoring/Maintaining (Routine Prüfung machen, Sitecheck gegen die Urls laufen lassen,Search Bots Behaviour)
  3. Software (Botify, Logly, Screaming Frog Log File Analyzer, ELK Stack)
  4. History Check (Orphan Pages, History Pages)

Indexmanagement

  1. Indexierbare Seiten besser managen (so viele wie möglich, so wenig wie nötig)
  2. Unwichtige Seiten auf noindex setzen
  3. rel=“prev/next“ für Paginierung verwenden

Content als Futter für Crawler

Auch einen Vorschlag für das Updaten der Websiteinhalte wurde angeschnitten. In einem „Content Update Cycle“ werden Inhalte in vier Prioritäten (Prio A-D Content) aufgeteilt und davon abhängig in bestimmten Intervallen verbessert und angepasst.

  1. Prio A Content alle 2 Wochen
  2. Prio B Content alle 4 Wochen
  3. Prio C Content alle 8 Wochen
  4. Prio D Content alle 6 Monate

Die ständige Content Pflege begründete Dominik mit den Stichpunkten:

  • Themenvielfalt
  • QDF Faktor
  • Dokumentenpflege
  • Dynamischer vs. Statischer Content Anteil

Fili Wiese – Making your Website uber fast

Fili Wiese, SEO Consultant und ehemaliges Mitglied des Google Search Quality Teams, zeigte in seinem Vortrag, warum die Website Performance so ein wichtiges Thema ist und was getan werden kann, um diese zu verbessern. Als einziger Vortrag auf Englisch – leider eine Minderheit auf der diesjährigen SEOkomm. Nichtsdestotrotz überzeugte Fili Wiese mit Qualität und Know-how. Das sehr technische Thema konnte er durch Fakten und Zitate zu Beginn etwas auflockern und dann in die Materie einsteigen.

„Every 0.1 seconds increase in load time decreases sales by 1%“ – Amazon (Quelle: http://www.martinlugton.com/page-load-speed-important-impact-site-speed-conversions-revenue/)

„Increasing page load time from 0.4 seconds to 0.9 seconds decreased traffic and ad revenues by 20%.“ – Google (Quelle: http://www.martinlugton.com/page-load-speed-important-impact-site-speed-conversions-revenue/)

Fili Wiese auf der SEOkomm 2016

Fili Wiese auf der SEOkomm 2016

Front-End optimieren

Hier geht es um die Struktur der Website. HTML und JavaScript spielen beispielsweise eine wichtige Rolle bei der Ladezeit. Durch die progressive Optimierung die Fili Wiese in den ersten Folien seines Vortrags zeigte, soll die Website häppchenweise dargestellt werden. Hier einige grobe Themen:

  1. Website Struktur optimieren (CSS, JS, HTML)
  2. Requests so gut wie möglich einsparen
  3. Übertragene Datenmenge reduzieren

Back-End optimieren

Nachdem das Dauerthema abgehakt war, kam Fili Wiese zum spannenden Teil des Vortrags: Die Optimierung am Server. Darunter Themen wie:

  1. Server Response
  2. SSL und HSTS
  3. h2 bzw. http/2 inklusive der Push Funktion(!)

Ein gelungener Vortrag trotz fehlender Praxisbeispiele und Benchmarks. Für eine SEO Konferenz sicher ein sehr technisches Thema, dass jedoch viel Zustimmung fand.

Google Search Console Advanced

Sebastian Erlhofer, Autor von „Suchmaschinen-Optimierung: Das umfassende Handbuch“ und Geschäftsführer der Kölner Agentur mindshape, zeigte auf der SEOkomm, was aus der Google Search Console herauszuholen ist.

Schon um diesen Vortrag zu sehen, hat sich der Weg in das schöne Salzburg gelohnt. Und das Beste: seinen Vortrag kann man ganz im Detail im mindshape Blog nachlesen.

Sebastian Erlhofer auf der SEOkomm 2016

Sebastian Erlhofer auf der SEOkomm 2016

Es gab wirklich viel zu Lernen:

  1. Datenlimits umgehen und deutlich bessere Daten erhalten durch mehr Properties.
  2. Hreflang Prüfung in der GSC und warum diese besser als bei anderen Tools ist
  3. Disavow-Funktion nutzen fast ohne Wartezeit(!)
  4. Crawlbudget (bzw. gecrawlte Seiten pro Tag) richtig lesen lernen
  5. Wie die (gewichtete!) durchschnittliche Position berechnet wird!
  6. GSC API nutzen und von Vorteilen profitieren
  7. Not-Provided umgehen!
  8. Sitemap-Index nutzen, um nicht indexierte URLs zu finden

Ja, das alles und noch einiges mehr in einem Vortrag.

Rankbrain – Gegenwart, Ausblick und die Bedeutung für SEO

In seinem Vortrag zu Googles Algorithmusänderung RankBrain gab Kai Spriesterbach, auch bekannt als SEO Kai, einen Überblick darüber, wie Machine Learning in der Suche eingesetzt wird und was dies für Arbeit von SEOs zukünftig bedeutet.

Wie lernt eine Maschine?

Machine Learnig ist keine künstliche Intelligenz, sondern eine schlaue Statistik für welche viele und gute Daten benötigt werden. Gut für Google, dass sie sowohl die meisten als auch besten Daten haben.

Was tut RankBrain?

Rank Brain verbessert die klassische Suche indem komplexe Suchanfragen in einfache Abfragen übersetzt werden. Dank des Google Updates lernt der Algorithmus, welche Rankingfaktoren in verschiedenen Bereichen wichtig sind, und kann diese relevanten Inhalte im jeweiligen Kontext fokussieren. Auch aus positiven und negativen Nutzersignalen lernt RankBrain. Die Zufriedenheit des Nutzers steht hierbei immer im Mittelpunkt.

User Happiness ist das Ziel

Backlinks sind zwar nach wie vor wichtig, aber nicht zwangsläufig in allen Bereichen. Während die Bedeutung von Backlinks im Finanz oder Gesundheitswesen noch immer sehr hoch ist, nimmt sie im Ecommerce hingegen ab.

Für langfristige Rankingerfolge muss der Nutzer zufrieden gestellt werden. Holistische Inhalte sind weiterhin relevant, jedoch auch hier nicht zwangsläufig für alle Bereiche. Ein Shop sollte z.B. eindeutig transaktionellen Content anbieten, um relevant zu sein. Informational Content hingegen wird keine Rankingerfolge nach sich ziehen, da er für die User Intention nicht von Bedeutung ist.

Zukunftssichere Strategien

Um auch in Zukunft erfolgreich im SEO unterwegs zu sein, ist es wichtig, Fokus und Ziele für jede Seite festzulegen und die User Wünsche gezielt zu erfüllen. Für schlechte Inhalte ist schon lange kein Platz mehr. Vielmehr müssen Inhalte erstellt werden, die nicht nur besser als der momentane Platz 1, sondern besser als alle anderen Inhalte sind und natürlich die Nutzerintention befriedigen. Besonders wichtig hierbei ist es, die Qualität der Inhalte fortlaufend zu monitoren und stetig zu verbessern. Schlechte Inhalte sollten aussortiert werden.

Letztendlich gilt wie immer, erstellt gute Inhalte für die Nutzer und die Suchmaschinen!

User-centered Content Erstellung

User Intent und gute Inhalte standen auch im Fokus des Content-Strategen und gebürtigem Salzburger Martin Höllinger. In seinem Vortrag zeigte er anhand zahlreicher Beispiele, mit welchen Content-Problemen Websites zu kämpfen haben, was gute und schlechte Inhalte sind und mit welchen Maßnahmen sowohl die User als auch die Suchmaschinen zufriedengestellt werden können.

Near Duplicate Content

Habt ihr mehrere Seiten zu einem Thema, die inhaltlich sehr nah beieinander liegen, bietet dies den Usern meist keinen echten Mehrwert und auch suchmaschinentechnisch werdet ihr oft Probleme bekommen. Im schlechtesten Fall rankt keine der Seiten gut zu den relevanten Keywords. Um dieses Problem zu lösen könnt ihr:

  • Inhalte zusammenfassen und auf einer URL abbilden
  • Doppelte Inhalte löschen
  • Seiten gezielt auf noindex setzten und nur eine URL in den Index lassen
  • Einen Canonical setzten auf die Seite, die bevorzugt indexiert werden soll

Räumt euren Index auf!

Um die Qualität einer Website zu steigern, ist es wichtig gute Inhalte bereitzustellen. Doch was passiert mit schlechten Inhalten? Diese solltet ihr entweder aufwerten, damit sie für den User und auch Google relevant werden, oder entfernen, denn schlechte Inhalte benötigt keiner und sie werden eurer Seite eher schaden als nutzen. Hierzu ist es notwendig, eure Inhalte zu monitoren und zu bewerten. Veraltete, irrelevante und schlechte Inhalte sollten entfernt werden. Nützlich hierbei ist ein Blick in Google Analytics, um herauszufinden, welche eurer Inhalte schlechte User Signale senden.

Fallbeispiel Fertighäuser

Als Beispiel aus seinem Porfolio brachte Martin eine Website eines Fertighausherstellers mit. Die Website kämpfte mit einer hohen Anzahl Near Duplicate Content, da es im Grunde nur eine Handvoll Modelle in verschiedenen Ausführungen gibt. Ergebnis des ganzen waren jedoch 10-15 Seiten zu jedem Ziel-Keyword, von denen keine gute Rankings erhielt. Als Maßnahme wurde zu jedem Ziel-Keyword eine Kategorieseite erstellt. Alle anderen URLs wurden mit noindex versehen. So konnten die Rankings zu den relevanten Keywords und die allgemeine Sichtbarkeit der Seite deutlich gesteigert werden.

Was will der User?

Im Fokus eurer Content-Bemühungen sollte immer der User Intent stehen. So benötigt ein Shop z.B. keine informational Contents, da die Absicht eindeutig transaktioneller Natur ist. Auch ein Schlüsseldienst benötigt keine künstlich aufgeblähten Inhalte, sondern sollte das User Bedürfnis nach einer klickbaren Telefonnummer und Preisen etc. befriedigen.

Ask Google – Ask John Müller

In diesem Panel stellte sich Webmaster Trend Analyst John Müller den Fragen von Jens Fauldrath, Nina Baumann und Michael Schöttler. Die Antworten waren mal mehr mal weniger eindeutig – meist weniger. Wir haben für euch die wichtigsten Keyfacts zusammengefasst:

Was passiert mit Texten im Zuge von Mobile First/ Mobile Index?

Der volle Inhalt sollte verfügbar sein. Dies ist nicht nur für SEO wichtig, sondern auch aus Usability Sicht. Der User soll auch mobil die Inhalte vorfinden können, die der Suchergebnistreffer verspricht.

Ask John Müller mit Jens Fauldrath, Nina Baumann und Michael Schöttler

Ask John Müller mit Jens Fauldrath, Nina Baumann und Michael Schöttler

Wirken sich AMP Seiten aufs Crawlbudget aus?

Für extrem große Seiten kann dies der Fall sein, in den meisten Fällen jedoch nicht, hier gleicht sich das Crawlingbudget aus.

Wird es eine Roadmap zur Entwicklung der Search Console geben?

Eher nicht. Die Prioritäten ändern sich meist sehr schnell. Um hierauf auch entsprechend reagieren zu können, ist das Festlegen einer Roadmap wenig sinnvoll. Derzeitige Probleme wie der Gap der Gesamtqueries und der Queries auf Seitenebene werden im Team besprochen. Das Team arbeitet ebenfalls daran, mehr Daten über die API abfragen zu können. Eine Lösung zum Aufspüren der nicht indexierten URLs wird es nicht geben (hierzu hat allerdings Sebastian Erlhofer in seinem Vortrag einen interessanten Ansatz vorgestellt).

Wie wirken sich personalisierte Inhalte auf das Ranking aus?

Damit Seiten indexiert werden können, müssen die Hauptinhalte für Google sichtbar sein.

Wie werden Usersignale für Rankings genutzt? Positionsverbesserung auf Basis von CTR?

Viele Effekte sind nicht sofort sichtbar. Usersignale werden nur aggregiert betrachtet, um den Algorithmus auszuwerten. Gute Inhalte erkennt Google mathematisch und ohne User Signale.

Quo vadis SEO

Über die Zukunft des SEOs und wie ihr eure SEO Strategie an eine immer neue SERP Welt anpassen könnt, zeigte Bastian Grimm von der PeakAce AG.

#1 User Experience

  • Softfaktoren sind wichtiger denn je und wichtige Signale, die Google verwenden kann
  • Snippets – an sich Basic und Pflicht für jeden SEO – dennoch häufig vernachlässigt
  • Strukturierte Daten – es gibt kaum noch Suchergebnisseiten ohne
  • Ladezeiten – Speed is everything
  • https & http/2 – die Kombination macht es aus
  • AMP – https wird zur Pflicht

#2 Accessibility

  • Mobile first indexing – es wird weiterhin nur einen Index geben
  • Rendering – die Auflösung ist fast egal
  • Google Firebase
  • Themen werden komplexer – Bildet Spezialisten Teams

#3 Relevancy

  • Weniger ist manchmal mehr – SEO Texte in Shops werden (hoffentlich) sterben
  • Text ist nicht immer das richtige Format – Fotos will be next

Fazit

Die SEOkomm hat auch in diesem Jahr wieder auf ganzer Linie überzeugt und gehört damit vollkommen zu Recht zu den besten SEO Konferenzen im deutschsprachigen Raum. Vielen Dank an die Veranstalter Oliver und Uschi Hauser für diese gelungene Konferenz.

Weitere Recaps:

Ist dein Recap nicht dabei? Schreib uns an und wir verlinken ihn noch.

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